Vögel

Ziervögel in menschlicher Obhut

Der Mensch hält seit tausenden von Jahren wilde Vogelarten, viele davon aus exotischen Ländern. Ob in der Falknerei oder in der Ziervogelhaltung – es bedarf als Grundlage Einfühlungsvermögen, Sachkunde und die nötigen Ressourcen Zeit und Geld, um diese Tiere artgerecht zu halten.
Für die Haltung von Greifvögeln sorgt der dafür notwendige Falknerschein für die nötige Sachkunde, noch bevor der Vogel erworben wird. Für die private Haltung von Ziervögeln ist ein Sachkundenachweis leider nicht (noch nicht) vorgeschrieben. Dabei ist der notwendige Tierarztbesuch oft ein Resultat von Haltungsproblemen.
Die Zeiten haben sich geändert: Wo der einzeln gehaltene Papagei in einem kleinen Käfig vor 20-30 Jahren noch normal war – ist diese Haltungsform heutzutage generell inakzeptabel.
So manch einer hat einen Vogel! Nur manchmal ist er halt etwas größer!

Wer kommt so alles?

Wir behandeln in unserer Praxis alle Vögel, vom Kanarienvogel bis zum Strauß. Die Psittaciden – die Papageienvögel – bilden mit Abstand den größten Anteil unseres Vogelklientels. Uns selbst da gibt es viele Unterschiede: Der Wellensittich hat zum Beispiel andere medizinische Besonderheiten als der Graupapagei. Naheliegend ist auch, dass es in der falknerischen Greifvogelhaltung ganz andere Schwerpunkte gibt als in der Liebhaber-Hühnerhaltung.
Vogel ist nicht gleich Vogel!

Woran erkenne ich, dass mein Tier krank ist?

Leider verheimlicht der Vogel eine vorhandene Krankheit sehr gut. In der Natur ist dies lebensnotwendig, um die Aufmerksamkeit von Greifvögeln nicht auf sich zu lenken. Bei der Haltung in Menschenhand führt dieses Verhalten jedoch dazu, dass Vögel oft zu spät zum Tierarzt gebracht werden.
Typische Anzeichen für eine Erkrankung Ihres Vogels sind:
- Häufiges Aufplustern
- Vermehrtes Schlafen
- Reduzierter Appetit
Ist ein Vogel deutlich krank – ist er ein Notfall!

Wie bringe ich meinen Vogel in die Praxis?

Erfahrene Halter haben spezielle Transportboxen für ihre Vögel. Sollten diese nicht vorhanden sein können Kunststofftransportboxen (Variboxen) für Katzen oder eben auch kleine Vogelkäfige verwendet werden. Zeitungspapier ist ein geeigneter Bodengrund, da dort der abgesetzte Kot gut beurteilbar ist. Wildvögel bitte nur im Karton transportieren, da sie sich in Gitterkäfigen das Gefieder zerstören.
Bitte kommen Sie nicht mit Ihrem Papageien frei auf der Schulter sitzend.
Trainieren Sie Ihre Vögel dazu freiwillig in die Transportbox zu gehen. Dies kann besonders bei Großpapageien die wichtigste Erste-Hilfe Maßnahme darstellen.

So wird aus einer Katzenbox eine Transportbox für Papageien

Durch das Einbringen einer Sitzstange wird sich ihr Papagei deutlich wohler in der Transportbox fühlen. Zeitungspapier dient als Bodengrund – so kann der unterwegs abgesetzte Kot am besten in der Praxis untersucht werden.
Ein kleiner MacGyver-Trick für Papageien

Untersuchungen und Beratung

Vorsorgeuntersuchung

Der regelmäßige Gesundheitscheck ist auch für gesund erscheinende Papageien wichtig. Unser Ziel ist es dadurch Probleme im Vorfeld zu erkennen, um Krankheiten möglichst zu verhindern. Oft können Verbesserungen der Haltungsbedingungen, wie z.B. eine Optimierung der Ernährung dabei helfen.
Untersuchung Papagei
Bereits bestehende Probleme sollten entdeckt werden, bevor der Vogel richtig krank wird.

Quarantäneuntersuchung

Bei der Vergesellschaftung von Vögeln ist auch auf eine Einschleppung ansteckender Krankheiten zu achten. Insbesondere die Virusinfektionen spielen in der Papageienhaltung eine große Rolle. Neben einer sinnvollen Quarantänezeit sollten Neuzugänge auf wichtige Krankheiten getestet werden. Bei Papageien ist der 5fach Check üblich. Mittels Tupfer-, Blut- und Federprobe wird Ihr Vogel auf die aktuell gefährlichsten Infektionserkrankungen hin untersucht. Weiterhin sollten Neuzugänge – und zwar insbesondere die kleineren Sittiche – auf den Hefepilz Macrorhabdus ornithogaster (besser bekannt unter der irreführenden Bezeichnung „Megabakterien“) und Parasiten wie Spulwürmer und Trichimonaden untersucht werden.
Auch ein gesund erscheinender „neuer“ Vogel kann für den „alten“ Vogelbestand gefährlich sein.
Alle Untersuchungsergebnisse können wir in einen persönlichen Gesundheitspass Ihres Vogels eintragen.

Ernährung

Papageien und Sittiche, die hauptsächlich mit Körnermischungen gefüttert werden, neigen zu einer chronischen Mangelernährung. Der Vogel frisst nur, was er mag, der Rest wird verworfen. Durch dieses Verhalten bestärkt er den Vogelbesitzer darin nur das akzeptierte Futter anzubieten. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente werden so meist nur unzureichend aufgenommen. Es gibt hier viel zu beachten und manchmal ist auch eine Futterumstellung auf ein modernes Pelletfutter sinnvoll.
Eine Futterumstellung verlangt Fingerspitzengefühl

Diagnostik

Blutuntersuchung

Bei der Blutuntersuchung können wir die Funktionalität der Organe überprüfen und eventuelle systemische Entzündungen entdecken. Unser Speziallaborgerät ist in der Lage mit nur wenigen Tropfen Blut in 15 Minuten ein umfassendes Organprofil zu erstellen.
Zusätzlich wird das Blut auch auf Veränderungen im Hinblick auf die einzelnen Blutzellen untersucht. So können wir Anzeichen einer Entzündung erkennen und auch bei Folgeuntersuchungen sehen, ob die Behandlung gut anschlägt.
Ob kleiner Sittich oder große Gans – die Blutentnahme dauert nur wenige Sekunden.

Kotuntersuchung

Veränderungen der Ausscheidungen geben uns Hinweise auf Organerkrankungen. Nur mit einer Kotprobe können wir auch bestimmte Infektionserreger entdecken, die Ihrem Tier schaden können.
Der Vogel erledigt diese Probe in der Regel selber auf dem Weg in die Praxis. Wichtig ist nur, dass Sie die Transportbox mit einer nicht-saugfähigen Unterlage auslegen. Auch Sand ist für die Beurteilung der Ausscheidungen schlecht. Am besten benutzen Sie eher wasserabweisendes Papier, wie die glänzenden Werbeseiten von Zeitungen oder Zeitschriften. Klarsichtfolie geht natürlich auch.
Die Ausscheidungen Ihres Vogels sind für die Beurteilung der Gesundheit extrem wichtig.

Röntgen

Die spezielle Anatomie des Vogels ermöglicht es dem Tierarzt nicht, wie beispielsweise bei Hund oder Katze, den Bauch vollständig abzutasten. Das Erstellen eines Röntgenbildes ist somit ein wichtiges Verfahren in der Vogelmedizin. Nur durch diese Untersuchung können wir einen vollständigen Überblick über das Innenleben Ihres Vogels erhalten. Gerade bei den langlebigen Großpapageien ist es ratsam diese Röntgenuntersuchung alle paar Jahre zu wiederholen, um Veränderungen schnell zu erkennen.
Das Röntgen eines Vogels dauert nur Sekunden, eine Narkose ist dafür nicht nötig.

Ultraschall

Mit Hilfe der Sonografie können wir die Weichteile (z.B. Leber oder Legedarm) Ihres Tieres genauer untersuchen. Mögliche Wasseransammlungen im Bauch, z.B. Eierstockszysten, können hiermit besser beurteilt werden.
Auch für diese schmerzlose Untersuchung ist keine Narkose erforderlich.

Endoskopie

Ein Endoskop ist eine Minikamera, mit der wir direkt in das Innere Ihres Vogels sehen können. Wir machen es uns bei dieser Technik zu nutze, dass die Leibeshöhle der Vögel aus Luftkammern besteht. Die nur 2-3mm große Kamera wird beim schlafenden Patienten durch einen kleinen Hautschnitt in diese Luftkammern eingeführt. So können wir teilweise Veränderungen besser erkennen als durch das Röntgen. Weiterhin können so auch kleine Gewebeprobe für weiterführende Untersuchungen entnommen werden.
Mit dieser „Schlüssellochtechnik“ können wir direkt in Ihren Vogel schauen.

Narkose und Operationen

Narkose

Die meisten Operationen lassen sich nicht ohne eine Narkose durchführen. Hierbei wählen wir für Ihr Tier fallabhängig immer die schonendste Narkose. Beim Vogel kommt in der Regel nur die Inhalationsnarkose zum Einsatz. Der Patient bekommt also keine Narkosespritze, er atmet über eine Maske ein Narkosegas ein. Bei allen schmerzhaften Eingriffen erhalten die Vögel zusätzlich während der Narkose und auch danach ein Schmerzmittel.
Moderne Narkoseverfahren ermöglichen auch beim Vogel tierschutzgerechte Operationen.

Operationen

Ob Knochenbruch oder Legenot, wir können für Ihren kranken Vogel ein breites Spektrum an operativen Möglichkeiten anbieten.
Knochenbrüche müssen fast immer operiert werden.

Stationäre Unterbringung

Schwerkranke Vögel benötigen eine entsprechende Unterbringung. Nur auf unseren Stationen können wir Ihren Vogel medizinisch überwachen und bei Bedarf mit Wärme, Sauerstoff oder Medikamenten versorgen. Eine Medikamentengabe ist zuhause oft nicht möglich. Deshalb bleiben Papageien für notwendige Nachbehandlungen oft ein paar Tage bei uns auf der Station.
Eine zuverlässige Nachbehandlung ist zuhause gar nicht so einfach!

Inhalationstherapie

Einige Medikamente können wir mit einem speziellen Vernebler „in Luft auflösen“. Der Vogel sitzt so in einem Medikamentennebel und behandelt sich nur durch das Atmen selber. Der Patient muss nicht ständig gefangen und gehalten werden, welches für die meisten Papageien großen Stress bedeutet.
Stressfreie Behandlung dank Medikamentenverneblung

Urlaubsbetreuung

Sollten Sie eine Betreuung für Ihre Vögel suchen, können wir auch hier helfen. Sie können dafür entweder den eigenen Käfig mitbringen oder wir nehmen einen von uns. Bitte kontaktieren Sie uns im Vorfeld, dass wir für Ihren Vogel / Ihre Vögel eine individuelle Lösung finden.
Kuscheln inklusive: natürlich kümmern wir uns auch um das Seelenwohl zahmer Vögel.